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EINHEITLICHE STANDARDS UND TRANSPARENZ SCHAFFEN IN EINEM JUNGEN WACHSTUMSMARKT

Erstveröffentlichung am 01.06.2016 im Dialog Aktuell, Newsletter von Heuer Dialog

Im Unterschied zu den angelsächsischen Ländern, wo Studentisches Wohnen bereits ein eigenständiges Immobiliensegment darstellt, kann von einer angemessenen gesellschaftspolitischen Einstufung dieses Immobilienbereichs in Deutschland keine Rede sein. Der zunehmenden Zahl von Studenten unter diesen Bedingungen adäquaten Wohnraum in Universitätsnähe zur Verfügung zu stellen, ist deshalb eine der Herausforderungen für den Bundesverband für Studentisches Wohnen (BfSW).


Studienanfängerzahlen

Quelle: Kultusministerkonferenz
Quelle: Kultusministerkonferenz
Besonderheiten von Studentischem Wohnen
Die technikaffine Generation der Millenials stellt eigene Anforderungen an Wohnformen und Wohnmodelle und hat einen anderen Umgang mit Themen wie Privatsphäre vs. Gemeinschaft, Sharing Economy usw. Gleichzeitig besitzt diese Bevölkerungsgruppe keine Lobby, sie führt den gesellschaftspolitischen Dialog mit neuen Kommunikationsmittel, hat andere Ansprüche an ökologische Standards und einen anderen Bezug zur Mobilität.

Der größte Unterschied jedoch zwischen Bauvorhaben für Selbstnutzer als Käufer und Projekten im Micro Housing Bereich besteht in der Spezifizierung der Ansprüche an die Infrastruktur: Selbstnutzer, überwiegend Familien, brauchen Schulen, Kindergärten, Spielplätze usw., denn eine typische junge Familie hat eins bis zwei Kinder, ein Auto und zwei Jobs. Ein durchschnittlicher Studentenhaushalt dagegen verfügt meist über kein eigenes Auto, sondern über eine Mitgliedschaft bei acht Car-Sharing Anbietern, ein ÖPNV-Monatsticket und ein bis zwei Fahrräder. So erklären sich auch die Unterschiede in den angelegten Strukturen entsprechender Bauprojekte.
Die spezifischen Bedürfnisse der Studenten und anderen Bewohnern im Micro Housing Bereich erfordert mehr Anpassungsfähigkeit der Bauverwaltungen bei der Anwendung der Bauvorschriften auf die jeweiligen konkreten Projekte.
Der Bedarf von aktuell etwa zwei Millionen studentischen Wohneinheiten kann vor allem durch Privatinvestoren zukünftig gedeckt werden. Das wird laut Berechnungen von Savills aber nicht vor 2020 der Fall sein, obwohl schon seit 2010 eine deutliche Zunahme der Bautätigkeit in der Branche zu verzeichnen ist.

Anzahl der Haushalte

Gesellschaftliche Herausforderungen
Stabile Studentenzahlen auf der einen und steigender Bedarf an geeignetem Wohnraum für Minihaushalte auf der anderen Seite führen zu steigenden Mietpreisen für Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen und ebenso zu einer erheblichen Fehlbelegung der größeren, familientauglichen Wohnungen durch studentische Wohngemeinschaften. Der Zuzug hunderttausender Flüchtlinge, die schätzungsweise bis zu 500.000 Wohnungen benötigen, darunter auch viele Miniapartments, wird die Lage auf dem Wohnungsmarkt in den kommenden Jahren weiter verschärfen.

Die demografische Entwicklung spiegelt sich in modernen Micro-Living-Konzepten wider. Die Wohnräume werden bereits konzipiert, dass die Objekte alterstauglich sind und später ggf. in Altersresidenzen umfunktioniert werden können.
Projektentwickler und Bauträger versuchen durch eine vermehrte Bautätigkeit der steigenden Nachfrage nach studentischem Wohnraum gerecht zu werden. So hat sich das Transaktionsvolumen privater Investoren im Jahr 2015 auf dem Markt für Studentisches Wohnen bereits auf 525 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt: Das Transaktionsvolumen des Jahres 2014 betrug mit 232 Mio. Euro bereits 40 Prozent mehr als im Jahr 2013, was bis dato das höchste registrierte Transaktionsvolumen war.
Neubau der speziell an die Bedürfnisse angepasster Wohnkonzepte bietet bessere Chancen für modernes Wohnen, zieht hochqualifizierte Arbeitskräfte an und ist damit ein wichtiger Standortfaktor. Je besser die Wohnverhältnisse, desto größer die Attraktivität der Studienorte. Deren Anziehungskraft ist mitentscheidend für die Gewinnung von immer mehr hochmotivierten ausländischen Studenten, die auch nach dem Studium als qualifizierte Fachkräfte in Deutschland bleiben.

Anteil ausländischer Studenten

Anteil ausländischer Studenten
Quelle: Statistisches Bundesamt

Jedoch müssen sich moderne Anforderungen auch in den Bauvorschriften speziell für Studentenwohnheime widerspiegeln: Carsharing, schneller Internetzugang, Stellplatzschlüssel usw. müssen realisierbar sein. Anbieter von studentischem Wohnraum haben ihr Angebot den aktuellen Anforderungen angepasst. Im Interesse einheitlicher Realisierungsbedingungen ist er notwendig, Studentisches Wohnen/Micro Living als ein eigenständiges Immobiliensegment mit eigenen Bauvorgaben anzuerkennen.


Rainer Nonnengässer wird im Rahmen des Fach-Dialogs Mikrowohnen am 6. Juli 2016 einen Vortrag zum Thema“Einheitliche Standards und Transparenz schaffen in einem jungen Wachstumsmarkt” halten sowie an der Diskussionsrunde zum Thema “Klein, kleiner, mikro – Wie sieht das Wohnen 2025 in den Städten aus?” mitwirken.

Der Autor
Rainer Nonnengässer
Vorsitzender des Vorstands
Bundesverband für studentisches Wohnen (BfsW)


Fach-Dialog

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